Geburt von Yari

Für mich war immer klar, dass ich mindestens zwei Kinder haben will. Aber nach der Geburt meines ersten Sohnes, wollte ich kein zweites Kind mehr haben. Junes kam im LKH Leoben spontan auf die Welt und es war wirklich schrecklich. Noch Monate danach, fühlte ich mich unwohl, wenn ich nur in die Nähe des Krankenhauses kam. Ich wollte auch mit keinem über die Geburt sprechen, noch konnte ich die ersten Videoaufnahmen ansehen, die mein Freund während und nach der Geburt von uns machte.

Nach ca. einem Jahr, kam ich zu dem Entschluss, dass es für mich nur zwei Möglichkeiten gibt, die Geburt zu verarbeiten: Entweder ich muss die Geburt mit professioneller Hilfe aufarbeiten oder ich bekomme ein zweites Kind, mit der Hebamme und dem Krankenhaus meiner Wahl.

 Mein Freund und ich entschieden uns für noch ein Kind und ich wusste, dass ich irgendwo da draußen MEINE Hebamme finden werde. Mit ihr, wusste ich, werde ich eine schöne Geburt erleben dürfen.

 Beim Informationsabend der PKR fand ich sie dann ganz schnell. Karin stellte sich kurz vor und plötzlich hatte „meine“ Hebamme ein Gesicht und einen Namen bekommen. Ich wusste nun, dass einer wunderbaren Geburt nichts mehr im Wege stehen wird.

 Gleich am nächsten Tag rief ich Karin an und vereinbarte einen ersten Termin mit ihr. Ich war so froh, dass ich nun wusste, wer mich bei meiner nächsten Geburt unterstützen wird.

 Nach dem ersten Treffen wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich fühlte mich sehr gut verstanden und ihre herzliche Art ist wirklich etwas ganz Besonderes.

 Ich fand ewig keinen Arzt, der Zeit/Lust hatte, mich während der Geburt zu begleiten. Aber ehrlich gesagt, ich wusste, dass das Wichtigste bei meiner Geburt die Hebamme sein wird und der Arzt reine Formsache werden würde.

 Ich traf mich sehr gerne vor dem errechneten Geburtstermin mit Karin. Ich konnte sie alles fragen und durch die vielen positiven Gespräche mit ihr, freute ich mich schon riesig auf die Geburt. Nach der Geburt von Junes konnte ich mir nie im Leben vorstellen, dass man sich auf eine Geburt freuen kann.

 Am Tag der Geburt spürte ich in den frühen Morgenstunden ein leichtes Ziehen im Bauch, das von Stunde zu Stunde immer intensiver wurde. Ich war aber fest davon überzeugt, dass das die Übungswehen waren. Am Vormittag fuhr ich noch in die Grazer Innenstand frühstücken und ging danach noch gemütlich shoppen. Ich musste immer wieder stehen bleiben, weil das Ziehen doch sehr heftig kam.

 Am Nachmittag rief ich Karin an und wir vereinbarten, dass wir am Abend noch einmal telefonieren werden.

 Ich glaubte immer noch nicht, dass noch an diesem Tag unser Sohn auf die Welt kommen wird. So ging ich noch duschen und Haare waschen. Da stoppte ich das erste Mal die Dauer des Ziehens und in welchem Abstand es kommt. Das Ergebnis meiner Messungen stresste mich etwas: Dauer: ca. 45 Sekunden; Abstand: ca. 3 ½ Minuten.

 Sofort rief ich Karin erneut an und wir verabredeten uns in der PKR. Sie meinte, ich sollte gleich wegfahren.

 Ich war auch da noch der Meinung, dass ich nach dem Treffen wieder nach Hause fahren werde. Deshalb ließ ich mich von meiner Schwiegermutter in die Klinik führen und mein Freund konnte Junes ins Bett bringen.

 Karin war schon dort und kam mir schon entgegen. Durch ihren freundlichen Empfang, war meine Nervosität wie weggeblasen. Sie meinte, dass sie mich zuerst einmal untersuchen wird.

 Karin fragte mich, ob mein Freund bei der Geburt dabei sein will, denn dann müsste er eigentlich schon weggefahren sein. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wuerden wir unseren Sohn willkommen heißen dürfen.  Das kam für mich so überraschend, dass ich dann doch wieder nervös wurde.

 Egal was Karin machte oder sagte, sie war total ruhig und überaus motivierend. Ich hatte das Gefühl, sie schon ewig zu kennen. Alles war so vertraut. Bei jeder Wehe, lobte sie mich, wie gut ich das machte. Das tat richtig gut.

 Schnell wurde die Wanne eingelassen. Die Ergebnisse des ersten CTG waren sehr schön.

 Karin wollte wissen, ob ich bemerkt habe, wie die Fruchtblase platzte. Das musste ich verneinen. Ich verspürte auch keinen großen Druck nach unten.

 Martin war zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht da. Ich fühlte mich aber dennoch nicht alleine.

 Mein Gynäkologe war auch noch nicht da.

 Bei jeder Wehe massierte mir Karin den Rücken, was wirklich gut getan hat.

 Knapp 30 Minuten nach dem Eintreffen in der Klinik, konnten wir ein kleines Wunder sehen. Die Fruchtblase war noch nicht geplatzt.

 Mein Freund kam gerade, als der Kopf schon geboren wurde. Er kam ins Zimmer und unser kleiner Sohn wurde mit intakter Fruchtblase geboren. Er kam mit einem Glückshauberl auf die Welt.

 Ich konnte es nicht glauben, dass unser Sohn schon auf der Welt war. Ich war so überrascht, dass das alles so schnell gegangen war. 

 Danach blieb die Zeit für mich stehen. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir mit Yari kuscheln durften, bevor Karin ihn wog und maß. Es gab keinen Stress. Wir durften uns in Ruhe bei gedämpften Licht kennen lernen und es schien, als hätten wir alle Zeit der Welt.

 Ich denke noch so gerne an die Geburt und an die Stunden danach. Dank Karin, war es für uns ein wunderschönes Erlebnis und dank dieser wunderbaren Begleitung vor, während und nach der Geburt habe ich meine erste Geburt auch verarbeitet.

  

 Der Gynäkologe kam 15 Minuten später an und war etwas enttäuscht, dass er die Geburt mit intakter Fruchtblase nicht live miterleben durfte.

  

 Ganz wichtig und schön waren für uns die Hausbesuche von Karin. Ihr rotes Auto und sie wurden von uns immer schon sehnsüchtig erwartet. Sie hat uns aufgemuntert, beruhigt und es tat so gut, dass sie uns das Gefuehl gab, alles richtig zu machen und es war ein schoenes Gefuehl, zu wissen, dass sich unser Sohn praechtig entwickelt.

 Karin nannte Yari „Speckweckerl“. So nennen wir ihn noch heute und denken dabei ganz fest an diese schöne erste Zeit.

  

 Wir danken Karin sehr für ihre tolle Unterstützung. Yari bekam von ihr eine selbstgestrickte Haube. Diese hängt noch immer als Glücksbringer an seinem Bett.