Geburt von Nayeli

Es gibt Momente, da bleibt die Zeit stehen und ein kleines Wunder passiert. So war es auch an einem kalten, verschneiten Februarmorgen, kurz nach 5 Uhr früh, als unsere Tochter zuhause im Wasser geboren wurde. Ein unglaubliches Gefühl, das mit nichts zu vergleichen ist.

Ich wollte mein zweites Kind unbedingt daheim zur Welt bringen, obwohl ich während meiner ersten Geburt ins LKH fahren musste, da unser Sohn ein „Sterngucker“ war. Er drehte sich erst auf dem Weg ins Krankenhaus und kam dann dort spontan zur Welt. Ich bin dankbar, dass ich Karin als meine Hebamme ausgewählt habe, sie hat meine Erwartungen übertroffen. Ich mochte sie von Beginn an sehr gerne und hatte sehr großes Vertrauen zu ihr. Ihre Besuche vor und vor allem aber nach der Geburt haben mir unglaublich gut getan. Die langen Gespräche gaben mir sehr viel Kraft und bestärkten mich in vielerlei Hinsicht. Es war unglaublich wohltuend und schön, eine Frau zur Seite zu haben, die mit so viel positiver Energie ganz auf meine Bedürfnisse einging.

 Die Schwangerschaft verlief sehr angenehm und ich fühlte mich unglaublich wohl mit Babybauch. Ich habe mich bewusst nur mittels Tiefenentspannung auf die Geburt vorbereitet und freute mich auf dieses unglaubliche Erlebnis.

 Am späten Nachmittag, nach einem ausgedehnten Spaziergang kamen erste leichte, regelmäßige Wehen. Nachdem ich am Abend unseren Sohn ins Bett gebracht hatte, kontaktierte ich Karin, da ich mir nicht sicher war, ob es schon Geburtswehen waren. Auch wenn ich mich immer sehr über ihren Besuch gefreut habe, wollte ich sie doch nicht unnötig mitten in der Nacht zu mir rufen. Nachdem die Wehen aber immer regelmäßiger wurden, war klar, dass sich das Baby auf den Weg macht. Ich nahm noch eine entspannende Dusche und wollte mich etwas hinlegen, aber an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich rief meine Freundin Angelika an, die kurze Zeit später zur Tür hereinstrahlte. Ich hatte mir eine Geburt unter Frauen gewünscht, und Angelika war als ganz liebe, vertraute Freundin und Mutter von 5 Kindern genau die Frau, die ich in diesem Moment bei mir haben wollte. Josef half uns noch das Wasserbecken aufzustellen und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, bevor er sich zu unserem Sohn zurückzog. So konnte ich mich entspannt auf die Geburt einlassen. Der Wehenabstand wurde immer kürzer und ich war positiv überrascht, dass sie so leicht zu ertragen waren, vor allem im Vergleich zu meiner ersten Geburt. Gegen Mitternacht kam Karin. Der Muttermund war inzwischen schon 6 cm offen, ich war total überrascht und glücklich. Wir tranken Tee, unterhielten uns und warteten die Wehen ab. Angenehm empfand ich es, mich während der Wehen zu bewegen. So konnte ich bewusst nach unten atmen. Ich war ganz bei meinem Kind. Irgendwann habe ich mich ins Wasser gelegt – es war herrlich entspannend. Der Muttermund war nun 8 cm offen. Ich merkte, dass ich langsam müde wurde und war froh, als Karin schließlich meinte, dass wir noch ungefähr eine halbe Stunde abwarten sollten, ehe sie die Blase öffnen würde. Nachdem die Fruchtblase offen war, hatte ich noch eine angenehme Entspannungsphase, bevor die Geburt endgültig begann. Da ich bei meinem Sohn eine PDA hatte, fehlte mir die Erfahrung der Presswehen, und auch durch die leichten Öffnungswehen waren sie ein ziemlicher Kraftakt für mich. Angenehm waren die langen Wehenpausen, die mir immer wieder genug Zeit gaben, mich zu erholen und neue Kraft zu tanken. Angelika war mir eine ganz, ganz große Stütze und machte intuitiv immer genau das Richtige. Nach einer allerletzten großen Anstrengung legte mir Karin mein Baby auf die Brust, und ich konnte selber nachsehen, ob sich meine starke Vermutung, dass es ein Mädchen ist, bewahrheitet hatte! Wir hatten es gemeinsam geschafft – was für ein einzigartiger Moment für uns alle! Als kleine Überraschung kam unser Mädchen mit einem echten Nabelschnurknoten zur Welt. Manchmal ist es gut, wenn man Dinge erst dann weiß, wenn alles vorbei ist. Der nun große Bruder durfte die Nabelschnur durchtrennen -  das hatte er sich gewünscht. Karin hat ihn ganz wunderbar integriert und so auch für ihn das Ankommen seiner Schwester zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Mein Traum von einer Geburt wurde komplett erfüllt. Mit einem gemeinsamen Frühstück haben wir diese wunderbare Nacht beendet. Zwei Frauen haben mich so unglaublich schön durch diese Geburt begleitet! Noch einmal vielen, vielen Dank!! Ich bin froh, dass ich den Weg der eigenbestimmten Geburt zuhause gewählt habe und ein weiteres Mal dieses unglaubliche Ereignis, ein Kind zur Welt zu bringen, erleben konnte!