Geburt von Marco

 Es war Donnerstag, der 19. August 2010, als ich morgens von einem Ziehen im Bauch geweckt
 wurde. Den ganzen Tag über hielt es an. Mal mehr, mal weniger. Mal oft, mal selten.
 Am Nachmittag nahm das Ziehen zu und wurde auch regelmäßiger.
 Als Christian (Papa) so gegen 17 Uhr nach Hause kam, erzählte ich ihm davon. Er war etwas
 verdutzt, schließlich war er auf einen Fußballabend eingestellt. Aber ich überredete ihn doch zu gehen. Da wir keine Badewanne hatten machte ich es mir mit einigen Wärmeflaschen bequem, doch das Ziehen wurde nicht weniger. Also kein falscher Alarm!
 Als Christian nach Hause kam, hatte ich im ca. 6-Minuten-Rhythmus Wehen. Um ca. 10 Minuten nach Mitternacht rief ich Karin an. Ich tat wie mir geheißen und setze mich in die Dusche und lies warmes Wasser über meinen Bauch fließen, während ich ihn streichelte und mit dem Baby sprach. Etwa eine Stunde später telefonierte ich erneut mit Karin und wir trafen uns um ca. 02:30 Uhr im Geburtshaus in Gösting.
 Sie und Christian tranken Kaffee und ich machte es mir gemütlich, veratmete Wehe für Wehe,
 während wir uns über vieles unterhielten. Mit der Zeit fiel es mir leichter auf und ab zu gehen, anstatt auf dem Ball zu sitzen. Karin machte mir den Vorschlag die Badewanne zu versuchen. Gesagt getan. So saß ich einige Zeit in der Wanne und die Wehen wurden langsam aber sicher stärker. Doch die Wanne war nicht unbedingt das Richtige für mich, also stieg ich wieder raus und ging im Zimmer auf und ab. Gegen halb sechs fragte Christian wie lange es noch dauern würde. Karin meinte, dass man es nicht sagen kann. Das Baby könne um 6 Uhr da sein, um 9 Uhr, oder es könne aber auch noch bis 12 Uhr dauern.
 Irgendwann legte ich mich ins Bett. Mir war kalt und ich war müde. Die Sonne ging auf und
 schickte ihre ersten Strahlen durch das Fenster. Ein wunderschöner Tag brach an.
 Die Wehen wurden immer heftiger und schließlich war der Muttermund ganz geöffnet und das Köpfchen hatte sich ins Becken gedreht. Ich war froh, dass Christian bei mir war. Er unterstütze mich so gut er nur konnte. Während einer Wehe, spürte ich plötzlich wie sich ein Schwall warmer Flüssigkeit über meine Beine ergoss. Die Fruchtblase war geplatzt.
 Die Abstände wurden kürzer und kürzer und es kamen die Presswehen.
 Karin versuchte mit mir den 4-Füsslerstand, aber ich fühlte mich unwohl. Ich legte mich wieder aufs Bett. Ich war erschöpft und müde. Eigentlich wollte ich die Augen schließen und schlafen, aber das Baby dachte nicht daran.
 Karin sprach mir immer wieder Mut zu, während Christian mich mit kalten Tüchern versorgte, denn mir war extrem heiß. Als Karin meinte sie könne schon den Kopf sehen, hatte ich bereits jegliches Zeitgefühl verloren. Ich hatte keine Ahnung wie spät es war und wie lange ich schon so gelegen hatte. Ich war erschöpft. Aber jammern brachte nichts. Ich versuchte so gut es ging jede Wehe zu nutzen um unser Baby auf die Welt zu bringen.
 Plötzlich ging alles ganz schnell! Karin sagte, dass ich bei der nächsten Wehe ausatmen soll und nicht mehr pressen, sobald sie es sage.
 Ich dachte bei mir: "Jetzt ist es soweit!" und schon spürte ich, wie sich die Wehe aufbaute. Keine Ahnung, ob ich jedes mal an mir runter gesehen habe, oder nur dieses Mal. Die Wehe schaukelte sich auf und als ich den Pressdrang bekam, glitt das Baby mit einem Mal raus.
 In diesem Moment fielen Tonnen an Last von mir ab. Mein Herz raste.
 "Es ist ein kleiner Marco!" sage Karin und legte ihn mir auf den Bauch. Ich sah eine kleinen
 Menschen der seine ersten Atemzüge machte, die rosa Haut, die langen blonden Haare und wie er mit weit aufgerissenen Augen umherblickte.
 Ich spürte seine Wärme auf meiner Haut. Die Müdigkeit war plötzlich weg und auch die noch eben ertragenen Schmerzen schienen schon nicht mehr so schlimm gewesen zu sein.
 Die Gefühle die einem in diesen Momenten durchströmen sind unbeschreiblich.
 20. August 2010; 08:59 Uhr; 46 cm; 2940 g pures Glück!