Geburtsbericht - Jonas Elias

Ich wartete diesmal schon sehr auf mein Baby und anders als die letzten Male, hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn es vor dem errechneten Termin kommen würde. Es sollte aber so sein, dass wir am 18. Mai (Geburtstermin 20. Mai) noch einen sehr wichtigen Termin wahrnehmen mussten und unser Baby wartete geduldig. Am Abend stießen wir noch mit einer Freundin auf diesen Abschluss mit unserem „Geburtssekt“ an. Wir könnten ihn ja immer noch nachkaufen. Doch in dieser Nacht sollten wir unser Baby noch in unseren Händen halten. Thomas und ich waren uns so nah wie lange zuvor nicht mehr und so gegen Mitternacht spürte ich die ersten Wehen. Sie begannen ganz leicht, fast unauffällig, als wollten sie nicht stören. Aber sehr regelmäßig. Diesmal wusste ich sofort - das sind Geburtswehen und keine Vorwehen. Alles war von Anfang an völlig klar. Thomas kümmerte sich um unsere jüngere Tochter Ella, die gerade dabei war in unser Bett zu wandern. Ich rief Karin, unsere Hebamme an (da die Wehen alle zwei Minuten kamen) und ließ mir anschließend ein Bad ein. Es ging mir gut. Die Abstände blieben immer gleich und wir hatten zu keinem Zeitpunkt Stress oder Hektik. Die Gewissheit, dass Karin bald kommt, es Nacht war und wir für unsere Kinder keine Babysitter brauchten und ich nicht weg musste tat gut. Ich musste mich nur auf mich und meinen Körper konzentrieren und durfte einfach SEIN. Thomas kümmerte sich um alles Drumherum. Es war alles vorbereitet als Emma, unsere ältere Tochter, zu mir ins Bad kam. Sie hatte Fieber und spürte, dass etwas anders war als sonst. Sie ließ sich auch von Thomas wieder ins Bett bringen. Kurz wurde ich unsicher, ob ich nicht doch zu früh angerufen hatte. Doch ich war froh, als Karin um 1.30 Uhr zur Tür herein kam und sich zu mir setzte. Die nächsten Stunden waren schön, voller Vorfreude und die Wehen, die so leise und still begannen bekamen immer mehr Kraft und verlangten nun meine volle Aufmerksamkeit. Ich musste mir für jede Wehe Zeit nehmen, unsere Gespräche unterbrechen und ihre Kraft und Stärke erleben. Kniend auf dem Boden, den Oberkörper über unserem Gymnastikball gebeugt konnte ich zwischendurch ganz kurz die Augen schließen und für ein paar Sekunden einschlafen. Ich war müde und wollte, dass mich Karin untersucht um von ihr zu hören, dass es bald geschafft sei. Karin wusste, sie muss mich jetzt motivieren und sagte mir, der Muttermund sei fünf Zentimeter offen. Hinterher erfuhr ich, dass es erst drei Zentimeter waren. Doch ich war heilfroh über die kleine „Lüge“. Karin redete mir gut zu und versicherte mir, dass es gut weitergeht und nicht mehr lange dauert, was sehr gut tat. Ich war müde, die ankommenden Wehen gewannen an Größe und bestimmten über meinen Körper. Sie wollten Beachtung und zeigten mir, dass etwas Großes geschieht. Ich umklammerte immer noch den Ball während Thomas mir ganz fest den Rücken massierte. Dann musste ich pressen. Es war wie eine Welle die mich mitriss. Ich konnte gar nichts anderes machen. Eine unglaubliche, gewaltige Kraft von Innen drückte nach außen. Die Erste: Ich dachte „Oh Gott. Bitte komm!“ Ich drückte ganz fest mit meiner Hand Thomas´ Oberschenkel und er hielt mich fest. Die Zweite: Es brannte. Der Kopf war halb geboren. Karin sagte aufhören zu pressen. Thomas musste weg denn Emma weinte im Zimmer. Ic dachte kurz ich schaffe es nicht ohne mich bei ihm festzuhalten. Die Dritte: Unser Baby war geboren um 4.43 Uhr. „Möchtest du IHN halten?“ fragte Karin. Wir hatten einen Buben bekommen und ich war überwältigt. Zitternd nahm ich meinen Sohn in meine Hände. Thomas und Emma begrüßten ihn. Er war schön und warm und lag auf meinem Schoß. Emma war interessiert als Karin die Plazenta untersuchte und Thomas schnitt die Nabelschnur durch. Alles danach erlebte ich in einem vernebelten, absolut glücklichen, völlig erschöpften Zustand. Mein Abschlussbild von dieser Geburt ist: Ich liege mit Jonas auf meinem Bauch auf unserer Couch, Emma dicht an mich gekuschelt, fiebrig, Thomas umsorgt uns, Ella wacht auf und freut sich so, Karin verabschiedet sich und fährt müde heim.


 P.S. Ein Schlückchen Sekt war noch für jeden übrig!