Geburt von Emil und Theo 

Über die wunderbare Betreuung durch Karin während meiner Schwangerschaft könnte ich Seiten füllen, aber nur soviel zu meiner Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung: Meine Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen, ein Geburtsvorbereitungskurs, ein Buch (Hebammensprechstunde) und keinerlei Dammmassagen, Himbeerblättertee, Leinsamen oder ähnliche Vorbereitungsmaßnahmen. Im besten Fall wollte ich in der Privatklinik Ragnitz mit Karins Unterstützung in der Badewanne entbinden. Mein Motto: Es kommt wie es kommt und ich werde das schon schaffen.

Es war der 25.01.2010, vier Tage vor dem errechneten Termin. Nach einer recht kurzen Nacht – die letzten Wochen der Schwangerschaft konnte ich nie länger als bis 4.00 Uhr schlafen – gönnte ich mir so gegen 15.00 Uhr eine kleinen Snack. Weißwurst und eine Tafel Schokolade. Kaum hatte ich das letzte Stück genossen fing es an zu „zwicken“. War wohl keine verträgliche Kombination dachte ich mir und tat das Ganze als Verdauungsproblem ab. Irgendwie kam das „Zwicken“ aber im Laufe der nächsten Stunde sehr regelmäßig und ich machte mir so meine Gedanken. Aber Wehen konnten es doch nicht sein, immerhin „zwickte“ es ja von Anfang an schon alle 5 Minuten. Ich glaubte mich zu erinnern, dass Wehen in einem größeren Zeitabstand beginnen. Natürlich konnte es sich auch um Übungs- oder Vorwehen handeln, also kein Grund panisch zu werden. So gegen 16.00 Uhr beschloss ich dann doch Karin über meinen „Zustand“ zu informieren. Nach dem Telefonat stellte ich mich unter die warme Dusche und legte mich mit der Wärmeflasche ins Bett. Recht nervös wartete ich darauf wie das Ergebnis dieser Maßnahmen ausfallen würde. Schon nach wenigen Minuten war klar: es ist soweit. Emil macht sich auf den Weg. Zur gleichen Zeit kam gottseidank Wolfgang von der Arbeit und da ich kaum noch einen vollständigen Satz rausbrachte da die Wehenabstände sehr gering waren, gab er Karin bescheid und wir machten uns auf den Weg in die Klinik. Der Berufsverkehr hielt sich in Grenzen uns so waren wir um 18.00 Uhr in der Ragnitz. Meine Tasche wollte ich im Auto lassen denn es hätte sich ja noch immer um einen Fehlalarm handeln können – das versuchte ich mir jedenfalls einzureden, denn irgendwie kam mir das alles nicht real vor . Die Schmerzen waren mittlerweile so groß, dass ich im Rollstuhl in den Kreissaal gebracht werden musste. Nach einer ersten Untersuchung durch Karin war klar, Emil wird wohl im Laufe der nächsten Stunden zur Welt kommen. Und dann ging alles ziemlich schnell. Ich hockte mich in die Wanne und die Sekunden zwischen den einzelnen Wehen konnte ich im warmen Bad richtig genießen. Ich hatte unsagbare Schmerzen und brüllte aus voller Kehle. Zwischendurch fühlte ich mich einfach völlig überfordert. Atmen, pressen, schreien… Karin sprach mir Mut zu und versicherte mir, dass wir es gleich geschafft haben. Ich hatte das Gefühl zu spüren wie sich Emil auf den Weg nach Draußen macht. Dann auf einmal die Stimme der Ärztin aus dem Hintergrund: „Noch eine Wehe sonst muss sie raus aus der Wanne.“ Ich war völlig verwirrt und Angst stieg in mir hoch. Warum raus, was ist passiert? In diesem Moment spürte ich Karins Hand auf meinem Rücken, sie sagte ganz ruhig: „Noch eine Wehe und er ist da, keine Sorge du schaffst das.“ Ich sammelte all meine verbliebenen Kräfte und da glitt Emil schon in Karins Arme. Dieses Gefühl werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Das Gefühl ein Kind zur Welt zu bringen, genau der Moment in dem sich der unfassbare Schmerz in ein unendliches Glücksgefühl wandelt, der Moment in dem Emil sein schützendes Nest verlassen hat. All die Schmerzen waren vergessen, von einer Sekunde zur anderen und ich hielt meinen winzigen (46 cm, 2700g) Engel in meinen Armen. Erst jetzt erfuhr ich, dass sich die Nabelschnur um Emils Hals geschlungen hatte, deshalb seine Herztöne bei den Presswehen beunruhigend waren und die Ärztin Alarm geschlagen hat.  Während Emil von Karin versorgt wurde, bangte ich, ob bei der Geburt was gerissen sein könnte und ich genäht werden müsste. Ich hatte panische Angst vor diesen Schmerzen und das obwohl ich gerade ein Kind zur Welt gebracht hatte. Aber ich hatte Glück – oder einfach ein gutes Gewebe – und alles war heil.

 Noch heute kann ich mir den großen Glücksmoment  - im wahrsten Sinne des Wortes – vor Augen halten, denn Karins Praktikantin hatte für uns die Geburt mit dem Fotoapparat begleitet.

  

 Emil war inzwischen 10 Monate alt, ich hatte abgestillt. Wir genossen jede Minute mit unserem Schatz. Während wir noch über das geeignete Verhütungsmittel für die Zukunft nachdachten hatte es sich bereits Theo in seinem Nestchen gemütlich gemacht. Die Freude war groß. Noch am Tag an dem ich von meiner Schwangerschaft erfuhr rief ich Karin an, in voller Panik sie könnte zum Zeitpunkt des Geburtstermins in Urlaub sein oder aus einem anderen Grund meine Begleitung nicht übernehmen können. Mir vielen tonnenweise Felsen vom Herzen als sie mir ihre Betreuung zusagte, ich hätte mir nicht vorstellen können ohne ihre Unterstützung zu entbinden.

 Auch diese Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen, körperlich stieß ich jedoch zeitweise an meine Grenzen. Ein quirliger kleiner Sonnenschein forderte trotz wachsendem Bauch meine volle Aufmerksamkeit. Auch diesmal entschied ich mich für eine Wassergeburt in der Ragnitz. Erstaunlicherweise hatte ich diesmal richtig Panik vor der Geburt. Plötzlich kam die Erinnerung an die Schmerzen wieder. Wovor ich genau Angst hatte kann ich bis heute nicht sagen, vor allem, weil Emils Geburt ja wirklich wie aus dem Bilderbuch war. Viele Fragen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Wie schnell würde es diesmal gehen, würde ich es noch in die Klinik schaffen? Was tue ich, wenn ich alleine mit Emil bin wenn es losgeht?

 Der errechnete Termin war der 12.08.2011. Als wolle er es seinem großen Bruder gleich tun entschied sich Theo auch 4 Tage vorher auf die Welt zu kommen. Es war der 08.08.2011 und ein recht heißer und anstrengender Tag lag hinter mir. Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft hatte ich diesmal in den Wochen vor der Geburt schon Vorwehen. Jedesmal hüpfte ich in die warme Wanne um sicher zu gehen, dass es nicht doch schon losging.

 Es war 21.00 Uhr und ich saß im Garten mit einem guten Buch, Emil war schon lange im Bett – mittlerweile hatten wir uns ein nettes Reihenhaus gekauft. Da fingen die Wehen an, alle 10 Minuten. Ich wollte erstmal abwarten bevor ich Karin informiere und legte mich wieder mal in die Wanne. Die Wehen vergingen und ich tat es als die mir schon so gut bekannten Vorwehen ab, Theo würde sich also weiterhin Zeit lassen. Um 22.00 Uhr fiel ich wie erschlagen ins Bett und freute mich schon auf ein paar Stunden Schlaf bevor wieder ein anstrengender Tag vor mir lag. Um 0.30 Uhr wurde ich aus dem Schlaf gerissen – Blasensprung. In diesem Moment wurde auch Wolfgang wach und aufgeregt sprang er aus dem Bett um sich anzuziehen. Während er nach einem passendem Shirt suchte – in aller Ruhe durchwühlte er den Schrank – informierte ich Karin, rief die Rettung und meine Eltern an. Ich war wahnsinnig nervös, hoffte, dass die Wehen sich noch etwas Zeit lassen. Denn ich ahnte, dass es auch Theo ziemlich eilig hatte. Wolfgang schickte ich auf die Straße um die Rettung einzuweisen, ich lag derweil zitternd (vor Nervosität) im Bett und erschrak bei jedem kleinen Schwall Fruchtwasser. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor bis die Rettung endlich da war. Unsere Nachbarin winkte mir noch zu und dann ging es mit Blaulicht in die Klinik. Wolfgang wartete bis Emils Großeltern eintrafen um dann nachzukommen. Kaum im Kreissaal angelangt setzten auch schon die Wehen ein, alle 2 Minuten und sehr intensiv. Die Krankenschwester war leicht alarmiert und rief gleich noch einmal bei Karin an, wenige Minuten später waren sie und mein Mann dann auch schon da. Ich war bereits in der Badewanne und Minuten davor Theo auf die Welt zu bringen als auch die Ärztin eintraf. Ganz ungeniert bat Wolfgang die Ärztin die Geburt mit unserer Fotokamera festzuhalten.

 Auch diesmal tat ich meine Gefühle lautstark kund. Im Unterschied zur ersten Geburt wusste ich aber wie ich all die verbleibende Kraft einsetzen muss um Theo auf dem Weg nach draußen zu unterstützen. Mit der ersten Presswehe kam der Kopf und ich spürte wie sein kleiner Körper auf die nächste Wehe wartete um von Karin in Empfang genommen zu werden. Ich musste mich darauf konzentrieren meinen Körper nicht zu weit aus dem Wasser zu heben. Dann kam die Wehe und mit einem Schrei der Erleichterung war es vollbracht. Sekunden später hielt ich Theo in den Armen. Ein gesunder kleiner Kerl und auch bei mir alles heil.

  

 Ich werde oft für meine beiden schnellen Geburten beneidet und gefragt wie ich das gemacht habe. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, vielleicht liegt es einfach in meiner Natur und der meiner Söhne. Die beiden haben es bis heute bei allem recht eilig. Auf jeden Fall waren es zwei der schönsten Momente in meinem Leben. Unter anderem weil Karin mich so wunderbar begleitet hat.

 Liebe Karin, ich kann meinen Dank an dich schwer in Worte fassen, du bist einfach fantastisch. Deine einfühlsame und vertrauenserweckende Art, dein gesamtes Wesen, einfach unvergleichbar. In diesem Sinne, einfach vielen lieben Dank, dass du für uns da warst.