Charlotte Frida, 3. März 2011

 Als erstes Kind meiner Eltern habe ich beschlossen, diese lange warten zu
 lassen, damit die Vorfreude auf mich auch richtig groß wird. Mein errechneter
 Geburtstermin war der 21. Februar, da ich aber noch lieber eine Weile in Mamas
 Bauch verbringen wollte, konnte Mama mich trotz Anwendung aller üblichen
 Tricks erst dann aus meiner gewohnten Umgebung locken, als ich auch wirklich
 bereit dazu war. Am 2. März Mittags beschloss ich dann, dass es doch
 schließlich an der Zeit wäre, die Welt da draußen zu entdecken und so kündigte
 ich mich meiner Mama durch den Abgang des Schleimpropfens an. Meine Mama
 hat sich dann auch ziemlich gefreut, noch mal schnell alle Sachen gepackt,
 meinem Papa zur Sicherheit noch einen Brief geschrieben, wie sehr sie in liebt
 (falls Sie bei meiner Geburt etwas schimpfen müsste) und auf mich gewartet. In
 der Nacht auf den dritten März spürte ich dann, dass die Wehen begonnen und
 langsam wurde es eng im Bauch, was aber weder für mich noch für meine Mama
 schlimm war. Sowohl Mama, als auch Papa und ich versuchten, zwischen den
 Wehen in der Nacht noch einmal gut zu schlafen und uns auszuruhen. Am 3.
 März fuhren wir dann gegen Mittag in die Privatklinik Ragnitz, wo wir auch
 meine Hebamme, Karin, trafen.
 Mittlerweile kamen Mamas Wehen immer öfter und ich merkte, dass meiner Mama
 das Fruchtwasser abgegangen war und so stellte ich mich darauf ein, mich bald
 mal auf den Weg nach draußen zu machen. Meine Mama verbrachte die Zeit
 meistens in der Badewanne und sie hat mir dann erzählt, dass es wirklich schön
 war, auf mich zu warten und sie neugierig darauf war, wie alles werden würde.
 Karin hatte in einem Gespräch mit meiner Mama die Geburt mit einer
 Bergbesteigung verglichen und seitdem war meine Mama sehr neugierig darauf, ob
 und wie sie den Gipfel bezwingen würde.
 Zwischen den Wehen konnte sie sich recht schnell erholen und mit Papa und
 Karin etwas plaudern. Mama empfand die Stimmung im Geburtszimmer als sehr
 angenehm und entspannend, so positiv und voller Vorfreude auf ein schönes
 Ereignis. Sie war extrem froh, dass ihr mein Papa zur Seite stand und sich so
 gut um sie kümmerte. Später hat sie mir erzählt, dass sie es ohne Papa sicher
 nicht geschafft hätte.
 In den frühen Abendstunden waren alle und auch ich bereit, nun endlich in den
 Geburtskanal zu rutschen, doch leider nahm ich den Eingang dazu nicht ganz so
 wie es hätte sein sollen und alles dauerte dann noch ein wenig länger als
 erhofft. Meine “Rutschversuche” kosteten meiner Mama so viel Energie, dass ihr
 schlussendlich die Kraft für die Presswehen ausging. In all der Zeit fühlte sich
 meine Mama jedoch immer sehr gut umsorgt von allen Anwesenden: von Karin,
 Frau Dr. Reihs und natürlich auch von Papa. Kurz vor elf hab ich dann gehört,
 wie Frau Dr. Reihs und Karin sich darauf einigten, mir mit einem Kiwi etwas
 nachzuhelfen. Da hab ich mir noch gedacht – hm wie passend, meine Mama war
 längere Zeit in Neuseeland und ich hab das Glück, gleich zu meiner Geburt einen
 Kiwi zu sehen. Als ich dann jedoch etwas an meinem Kopf spürte war mir klar,
 dass dieser Kiwi weder Frucht noch Vogel sein kann und ehe ich mich versah,
 war ich endlich auf der Welt. Neugierig hab ich alles betrachtet. Bei meiner
 Mama auf der Brust zu liegen war wunderschön. Dort konnte ich mich von der
 Geburt am besten erholen. Zwar schienen mir meine Eltern noch etwas
 überwältigt von den Ereignissen aber ich konnte spüren, wie sehr sich die beiden
 über mich freuten und so fühlte ich mich von Anfang an sehr geborgen in
 meiner neuen Welt.
 Vergleicht man nun meine Geburt mit einer Bergbesteigung, würde meine Mama
 das ganze Geburtsereignis wohl folgendermaßen zusammenfassen: Die Besteigung
 hat sich auf jeden Fall gelohnt, auf keinem Gipfel, auf dem sie bisher stand,
 hat sie so etwas Schönes wie mich erlebt. Wäre mein Papa nicht dabei gewesen
 hätte Mama wohl schon bei der ersten Steigung eine Gondel oder einen Lift
 gesucht. Die ganze „Bergtour“ über war sie extrem froh, dass sie mit Karin eine
 erfahrene, einfühlsame und so vertrauensvolle „Bergführerin“ hatte. Sie gab
 Mama stets das Gefühl, den Berg aus eigener Kraft besteigen zu können. Sie und
 Frau Dr. Reihs waren jedoch jederzeit zur Stelle, wenn Mama dachte, ihr würde
 die Kraft ausgehen, den Weg verlieren oder nicht mehr weiter wissen.
 Trotz des einen oder anderen anstrengenden Moments war meine Geburt für meine
 Eltern und mich eine wunderschöne Erfahrung, die wir alle drei nicht missen
 möchten.