Unsere sanfte Hypnobirthing-Hausgeburt


Seit drei Wochen ist unser kleines großes Wunder nun auf der Welt und seine Geburt war einmal mehr so magisch und zauberhaft, dass ich euch davon erzählen möchte. Ich wünsche mir, dass durch Geburtsberichte wie diesen mehr und mehr Frauen in ihre Kraft kommen, um sich für eine selbstbestimmte Geburt zu entscheiden, wie sie sich für Mama und Baby richtig anfühlt <3
 

Für mich war es absolut stimmig wieder zu Hause zu gebären, wie ich es bereits zwei Jahre zuvor bei meinem mittleren Sohn erlebt hatte. Damals wurde es ungeplant (aber durchaus gewünscht) eine Alleingeburt, bei der unsere Hebamme erst später dazu kam. Dieses Mal wollte und bekam ich eine Geburt im kraftvollen Kreis zweier Powerfrauen mit Herz: Hebamme Karin Mulisch-Prinz und Doula Elisabeth Singer , sowie mit dem werdenden Papa Gerhard Jüttner.
 

Die Geburt begann in der Nacht um 1:28 Uhr mit dem Austritt des ersten Fruchtwassers. Da ich ansonsten noch keinerlei Anzeichen für den Geburtsbeginn spürte, entschied ich mich noch etwas abzuwarten, bevor ich jemanden wecken oder informieren wollte.

Während sich langsam das erste Ziehen im Unterleib bemerkbar machte, bereitete ich mir in der Küche eine Wärmflasche vor und zog mich ins Badezimmer zurück. Ich zündete die ersten Kerzen an und ließ die Meditationsmusik aus dem Hypnobirthing laufen, mit der ich mich seit 13 Wochen vorbereitet hatte, damit ich Körper und Geist während der Geburt bestmöglich würde entspannen können.

Nach einer Stunde öffnete sich die Fruchtblase komplett und das Ziehen im Unterleib wurde so regelmäßig, dass ich meine Hebamme Karin und unsere Doula Elisabeth anrief, um sie zu informieren. Die Wellen waren allerdings noch leicht zu veratmen, so dass sie sich noch nicht auf den Weg machten. Nur den werdenden Papa weckte ich und sagte ihm, dass die Geburt nun endlich losging - geteilte Aufregung und Vorfreude sind doppelte Aufregung und Vorfreude 😉
 

Ich ließ mir schon einmal Badewasser ein und spazierte in der Wohnung umher. Die Bewegung tat mir gut und ich folgte den Impulsen meines Körpers das Becken kreisen zu lassen, mich hinzusetzen, zu knien oder zu wandern. Ganz entspannt und ruhig.
 

Gegen 3:30 Uhr wurden die Wellen intensiver und regelmäßiger, so dass ich erst Elisabeth und kurz darauf Karin anrief, um sie zu uns zu bitten. Beide hatten ungefähr eine Stunde Fahrzeit und waren entsprechend um kurz vor 5 Uhr bei uns. Ihre Ankunft verlief völlig entspannt. Beiden setzten sich ins Wohnzimmer und kamen erst zu mir, als ich sie darum bat. Ich hatte mich inzwischen in die Badewanne gelegt und fokussierte mich auf unser Baby und meine Atmung. Karin kontrollierte einmal den Herzschlag unseres Babies und kniete sich dann gemeinsam mit Elisabeth vor die Badewanne. Ihre Anwesenheit gab mir Kraft für den Weg, den unser Baby und ich allein zu gehen hatten. Es tat gut zu wissen, dass Hilfe und seelische Unterstützung da war, wenn ich sie benötigte. Genauso wohltuend war es, das Vertrauen zu spüren, dass keinerlei (überflüssige) Intervention vorgenommen wurde. Ich durfte unsere Geburt selbst gestalten, während sich alle Anwesenden respektvoll und achtsam im Hintergrund hielten. Bereit mich zu unterstützen, wenn es nötig oder gewünscht wäre. Und so genoss ich es, Elisabeth zu bitten, dass sie mich sacht streichelte. Ihre Nähe zu spüren und ihre sanfte aber kraftvolle weibliche Energie wahrzunehmen tat mir gut. Außerdem wusste ich durch das Hypnobirthing, dass der Körper bei leichten Berührungen Glücks- und Bindungshormone produziert, die besonders während der Geburt schmerzlindernd wirken. Eine Soft-Touch-Massage ist daher in vielerlei Hinsicht eine Wohltat <3
 

Obwohl ich während der ersten Stunden sehr gut mit den Wellen arbeiten und mitgehen konnte, kam irgendwann ein Punkt, an dem ich Angst vor dem nächsten Schritt - dem Wechsel von den Öffnungs- in die Geburtswehen - bekam. Es fiel mir schwer mich in den Pausen völlig zu entspannen und die Angst ließ mich die Wellen nun etwas schmerzhafter erleben. Ich sprach Karin darauf an und bekam auf natürliche Weise Hilfe von ihr. Einige Kügelchen eines homöopathischen Mittels halfen mir dabei ins Selbstvertrauen zurück zu finden und mich zu bestärken, dass ich dieser Geburt absolut gewachsen war, Ein regelrecht beflügelndes Gefühl, als die Wirkung einsetzte. Nun erlebte ich die Wellen nicht mehr als einschüchternd, sondern als zunehmen kraft- und sogar lustvoll. Ich begann mich auf die nächste Welle und die damit verbundenen Empfindungen zu freuen und wusste, dass jede von ihnen uns dem Zeitpunkt näher brachte, zu dem wir unser Baby endlich anschauen und berühren können würden.
 

Als gegen 7 Uhr die Sonne über den Weinbergen aufging und ihre Strahlen ins Badezimmer scheinen ließ, fasste ich den letzten nötigen Entschluss meine Position in der Badewanne vom Liegen zum Knien zu verändern. Ich spürte, dass durch die nun wirkende Schwerkraft der Geburtsprozess vollständig in Gang kommen würde. Und tatsächlich wurden die Wellen nun noch intensiver.

Karin bat mich, mich nun ganz aufzusetzen, damit der Kopf des Kindes genug Platz haben würde. Dann gab sie mir einen Satz mit auf den Weg, den mein Frauenarzt werdenden Müttern gerne sagt. Dieser Satz hat mich nicht nur für die letzte Phase der Geburt gerüstet, sondern begleitet mich seither auch für andere Situationen als weitreichende Erkenntnis: Sie sagte: "Für die letzte Phase der Geburt (und manch andere Situationen im Leben einer Frau) braucht es Mut und EINE PORTION HEILIGEN ZORN."
 

Dieser Satz ging tief und brachte mich zu der Erkenntnis, dass zwar Entspannung, Zentrierung und das Sein in der eigenen Mitte in den meisten Phasen unseres Lebens absolut essentiell sind, dass es aber Situationen im Leben gibt, in denen wir unser ganzes Potential und unsere urweibliche Kraft entfesseln dürfen. Allzuoft versagen wir Frauen uns diese heilige Energie, halten sie zurück oder machen uns klein. Eine Geburt ist einer der direktesten Zugänge zu dieser Kraft und kann uns wie nichts anderes an unsere Kraft und unser volles Potential erinnern.
 

Derart gestärkt dauerte es nur noch wenige Minuten. Kurz vor halb acht gebar ich entschlossen und kraftvoll erst den 38cm großen Kopf unseres Sohnes, erlebte noch eine energiespendende Atempause und brachte um 7:34 Uhr den übrigen Körper unseres 55cm großen und 4620g (!) schweren Babys zur Welt. Für seine überraschenden Maße war die Geburt mit fünf Stunden erstaunlich schnell und leicht gegangen. Bis zu den letzten Minuten war außer den Klängen der Entspannungsmusik, dem morgendlichen Zwitschern der Vögel und hin und wieder leise gesprochenen Worten kein Ton zu hören gewesen. Beinahe möchte ich es als eine Geburtszeremonie bezeichnen, so andächtig habe ich die Atmosphäre empfunden.
 

Als Karin unseren Sohn aus dem Wasser hob und mir in die Arme legte, durchströmte mich unendliche Dankbarkeit und so unfassbar viel Liebe für dieses kleine Wesen. Es gibt keine Worte für den Augenblick, in dem man sein Baby nach 40 (oder mehr) Wochen das erste Mal sieht. Ein neugeborenes Baby anzuschauen, heißt die Zeit anzuhalten und alle Bedeutsamkeit dieses Lebens sowie alle Liebe dieser Welt in einem einzigen Moment wahrnehmen zu können. So magisch, dass jede und jeder Anwesende davon erfasst wird.
 

Und das offenbar auch über den Raum der Geburt hinaus. Denn unsere Nachbarin Mona, deren Wohnung direkt über der unseren liegt, tauchte just in diesem Moment jubelnd vor dem Badezimmerfenster auf. Sie strahlte so viel Freude aus, dass sie von innen zu leuchten schien. Wie schon bei der letzten Geburt war sie damit die Erste, die unserem Baby gratulierte. Gemeinsam sangen wir „Happy Birthday", eine Flasche Moët Champagner wurde zur Feier des Tages geöffnet, von Elisabeth gab es einen frisch gemixten Beerensmoothie, der mit einem winzigen Stück der Plazenta veredelt wurde. Später wurde die gewaschene Plazenta mit Acrylfarben bemalt und als Abdruck verewigt, ein erster Gipsabdruck vom Babyfüsschen wurde gemacht und nebenbei fand die ganze Versorgung um mich und unser Baby statt. Wiegen, messen, abnabeln, (mich) nähen und die Formalien regeln. Insgesamt drei weitere Stunden waren wir alle in bester Laune und Schwingung zusammen. Getragen vom Glück und der unbändigen Freude, die eine Geburt auslöst.
 

An dieser Stelle ein riesiges DANKE an alle, die dazu beigetragen haben:
 

Papa Gerhard Jüttner, der sich vor, bei und nach der Geburt so fantastisch und bedingungslos um mich und uns gekümmert hat. Du bist absolut geschaffen dafür, nun endlich selbst liebender Vater unseres kleinen großen Wunders zu sein. ❤️♾❤️
 

Hebamme Karin Mulisch-Prinz, für deine herzliche, achtsame, kraftvolle und klare Begleitung von Schwangerschaft, Geburt und unserer ersten Zeit danach. Du hast den Rahmen gehalten, Sicherheit vermittelt, Raum gegeben und (Selbst)Vertrauen gestärkt.
 

Doula Elisabeth Singer <3 Du warst und bist in so vieler Hinsicht ein GESCHENK und eine Bereicherung für dieses Geburtsfest. Deine kreativen Ideen, deine besonnene Ausstrahlung und deine herzenswarme Begleitung haben diesen Tag zu dem unvergesslichen Erlebnis gemacht, das für immer tief in unseren Herzen bewahrt werden wird. Ich freue mich für jede Frau, die dich und deine Dienste bei ihrer Geburt genießen wird!
 

Frauenarzt Dr. Martin Gmeindl, der in JEDER Situation Klarheit und Vertrauen ausstrahlt und vermittelt. Mit wenigen Worten zerstreut er aufkeimende Ängste, berät soviel wie gewünscht bzw. nötig und ist ansonsten im absoluten Vertrauen, dass eine gesunde Frau auf gesunde Weise ein gesundes Baby zur Welt bringen kann und wird. VorFREUEN statt VorSORGEN <3
 

Nachbarin Mona, die einmal mehr den feierlichen Rahmen kreiert hat. Danke für deine unermessliche Freude, deine helfende Hand wo immer sie benötigt wurde, eine brennende Kerze, wo sie die festliche Atmosphäre unterstrichen hat und dieses herrliche Porridge zum späten Frühstück, das meine Lebensgeister nach der zehrenden Reise wiederbelebt hat. Du warst eine regelrechte Bonus-Doula und bist definitiv die Fee an diesem Platz :-)
 

Und last but not least die fantastische Hypnobirthing-Beraterin Corinna Fuchs (Jakob Marie Louise) 🙏 Deine "Arbeit" ist so unermesslich wertvoll. Die Hypnobirthing-Methode und deine Begleitung haben mir zwei unbeschreibliche Geburten beschert, wie ich sie vielen weiteren Frauen wünsche. Danke für dein (da) SEIN und die zwei Hypnosesitzungen, von der du die Zweite (durch die Corona-Ausnahmesituation bedingt) sogar online mit mir gerockt hast <3
 

Durch und mit euch, war dieser Tag magisch, ein Wunder und ein würdiger (erster) Geburtstag.
 

DANKE

<3